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Weihnachten in Neu-Isenburg 1948
von Bettina Stuckard

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hungern die Menschen in Neu-Isenburg – wie überall in Deutschland. Eine besondere Weihnachtsfreude wird den Neu-Isenburgern 1948 gewährt: in einer „Sonderzuteilung anlässlich des Weihnachtsfestes“ werden 125 g Backwaren und 400 g Trockenfrüchte ausgegeben. Kleine Kinder werden von der amerikanischen Militärregierung zur Weihnachtsbescherung eingeladen: Es gibt Milchsuppe und ein kleines Geschenk. Mit solchen Aktionen gewinnt die Militärregierung die Neu-Isenburger für sich; aus Besatzern werden Helfer in der Not. Weihnachten 1948 steht ganz im Zeichen von Amerika, denn auch die Hilfslieferung aus Alexandria kann am 21.12.1948 an die Bevölkerung verteilt werden.

Alexandria und der Worthington-Plan

Der Neu-Isenburger Bürgermeister Adolf Bauer wendet sich aufgrund der Not in seiner Stadt 1947 an die CRALOG (Council of Relief Agencies Licensed for Operation in Germany). Dieser Dachverband der größten Wohlfahrtsverbände koordiniert die Verschickung von „Liebesgaben“ – Kleidungsstücke, Medikamente, Lebensmittel.
Das amerikanische Worthington will darüber hinaus einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten und eine Patenschaft für eine deutsche Stadt übernehmen. Zwar wird Neu-Isenburg nicht von Worthington ausgewählt, aber das Projekt findet Nachahmer und so wird Alexandria Patenstadt für Neu-Isenburg.
In Alexandria, einer kleinen Stadt mit 7.000 Einwohnern und damit nur halb so groß wie Neu-Isenburg werden innerhalb kürzester Zeit 2,5 Tonnen gut erhaltene Kleidung gesammelt. Zollbestimmungen verzögern die Weiterleitung der Lieferung. In Neu-Isenburg bildet sich ein Komitee, das die Verteilung der Kleidung durchführen soll. Um ungeduldigem Warten, aber auch, um Plünderungen vorzubeugen, wird die Öffentlichkeit nicht über die zu erwartende Hilfe informiert. Am 21.12.1948 wird das Eintreffen der Hilfslieferung aus Alexandria im frisch eingeweihten Saal der Turnhalle gefeiert, wo die Spenden verteilt werden.


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