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Hugenotten und Waldenser im südlichen Hessen
von Dr. Barbara Dölemeyer

In Bad Karlshafen in Nordhessen befindet sich das Deutsche Hugenotten-Zentrum mit Archiv, Bibliothek und der Geschäftsstelle der Deutschen Hugenottengesellschaft. Aber auch in Südhessen gibt es zahlreiche Orte, die auf Hugenotten- bzw. Waldensersiedlungen zurückgehen. Die Flucht der Hugenotten aus Frankreich im Zusammenhang mit dem Widerruf des Toleranzedikts von Nantes 1685 und die Vertreibung der Waldenser aus ihren Heimatorten in den Bergtälern Piemonts und Frankreichs nach 1698 gehören zu den großen Wanderungsbewegungen aus religiösen Gründen, eine Migration, die sich über nahezu das gesamte protestantische Europa und bis nach Amerika und Südafrika erstreckte.1999 gab es vor allem in Hessen (wie auch in Württemberg) zahlreiche Gedenkveranstaltungen, die an die Gründung der Waldenserkolonien Waldensberg, Walldorf, Rohrbach-Wembach-Hahn und Dornholzhausen im südlichen Hessen erinnerten. Auch Neu-Isenburg wurde 300 Jahre alt. Der Vortrag behandelt die Aufnahme der Glaubensflüchtlinge in den deutschen Territorien des 16. und 17. Jahrhunderts und zeigt dann, wo in im Rhein-Main-Gebiet und im südlichen Hessen protestantische Flüchtlingsgemeinden gegründet wurden und welche Spuren davon heute noch zu finden sind.

Das Ereignis der protestantischen Auswanderung aus Frankreich nach dem Widerruf des Toleranzedikts von Nantes 1685 ist seit 1985 durch verschiedene Gedenktage in das öffentliche Bewußtsein gerückt worden: Ich erwähne nur das große Hugenotten-Gedenkjahr 1985 und die zahlreichen Gedenktage der Gründung von deutschen Hugenotten- und Waldensergemeinden in den folgenden Jahren. Im Jahr 1999 gab es vor allem in Hessen (wie auch in Württemberg) zahlreiche Gedenkveranstaltungen, da 1699 mehrere Waldenserkolonien (wie Waldensberg, Walldorf, Rohrbach-Wembach-Hahn und Dornholzhausen) im südlichen Hessen, gegründet wurden. Auch Neu-Isenburg wurde 300 Jahre alt. In Nordhessen gab es ebenfalls 1999 einige Jubiläen von Hugenottengemeinden: Sieburg, das heutige (Bad) Karlshafen, feierte seine 300-Jahrfeier. Im Gefolge dieser Jahrestage sind auch viele neuere Untersuchungen publiziert worden. Bad Karlshafen ist geographisch die nördlichste der Hugenotten- und Waldensersiedlungen in Hessen, die kleine Stadt an der Weser ist aber von zentraler Bedeutung nicht nur für die hessischen, sondern für alle deutschen Hugenotten-Nachkommen. Hier befindet sich das Deutsche Hugenotten-Zentrum, mit Museum, Archiv und Geschäftsstelle der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft.

Zur Einleitung einige vergleichende Bemerkungen über die drei großen Auswanderungswellen, die der niederländischen Exulanten zu Ende des 16. Jahrhunderts und die der Hugenotten und Waldenser nach 1685 bzw. 1699, und einiges über die Aufnahme der Glaubensflüchtlinge in den deutschen Territorien des 16. und 17. Jahrhunderts. Dann ist zu zeigen, wo in unserer näheren Umgebung - im Rhein-Main-Gebiet und im südlichen Hessen protestantische Flüchtlingsgemeinden gegründet wurden und welche Spuren davon heute noch zu finden sind.

I. Zum Begriff „Hugenotten“

Auf diesen ist nicht im Detail einzugehen. Die Belege für die Begriffsverwendung sind ausführlich dargestellt in dem zusammenfassenden Werk von Johannes E. Bischoff, „Lexikon deutscher Hugenottenorte“. Die in der Hugenottenforschung heute herrschende Begriffsverwendung ist wohl die, die sich von einem Schreckgespenst namens Hugon (le Roy Huguet) ableitet, das sich in den nächtlichen Straßen von Tours herumtrieb, dort wurden (1553) die Anhänger Calvins, die sich nur im Schutze der Dunkelheit versammeln konnten, so verspottet. Schon etwa seit 1560 wurde die davon abgeleitete Bezeichnung „huguenots“ allgemein für reformierte Franzosen gebraucht. Jedenfalls ist zu betonen, daß der Ausdruck „Hugenotten“ zuerst immer eine Fremdbezeichnung war, also von den Gegnern als Schimpfwort gebraucht wurde und daß sich die Hugenotten-Nachkommen selbst erst im 18. und besonders im 19. Jh. in Deutschland - dann aber positiv gemeint - so bezeichneten. Man versteht heute unter Hugenotten (i.w.S.) auch protestantische Gruppen wie vor allem die französischen und savoyischen Waldenser, die flämischen Niederländer und die Wallonen, die eine andere Geschichte haben, die aber im 17. und 18. Jh. das Schicksal der französischen Reformierten teilten. Die Waldenser waren Angehörige einer frühreformatorischen Bewegung, die nach dem Lyoner Kaufmann Waldes oder Valdus benannt ist. Sie schlossen sich im 16. Jahrhundert der Reformation schweizer Prägung in französischer Sprache an (Synode von Chanforan 1532) und bildeten die sog. „Eglise vaudoise“. Sie wurden in der Folge der Religionskriege des 17. Jahrhunderts aus ihren savoyischen und französischen Heimattälern vertrieben.

II. Reformierte in den Niederlanden und in Frankreich im 16. und 17. Jh.

Der Zuzug von Protestanten aus den spanischen Niederlanden vor allem nach England und Deutschland als Teil einer großen Flüchtlingsbewegung, die durch die Gegenreformation ausgelöst wurde, war sicher neben der Hugenotten- und Waldensereinwanderung des 17. Jahrhunderts der wichtigste Strom dieser Bewegung. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, daß die Niederländer zu einer Zeit ins Exil gingen, als der Verlauf der konfessionellen Grenzen noch nicht fixiert war und vor allem, als das Verhältnis zwischen Lutheranern und Reformierten noch nicht durch die Reichsgesetzgebung rechtlich klargestellt war. Zu bemerken ist, daß der Augsburger Religionsfrieden von 1555 nicht für die Reformierten galt. Erst der Westfälische Frieden von 1648 bezeichnete als anerkannte Konfessionen Katholiken, Lutheraner und Reformierte.

Seit dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts hatte der Protestantismus auch in Frankreich zahlreiche Anhänger gefunden, hier besonders nach der Lehre des französischen Reformators Jean Calvin, der in Genf lehrte und aus der Stadt eine protestantische Hochburg gemacht hatte. Bereits 1559 auf der ersten reformierten Generalsynode in Paris war die kirchliche Organisation dieser religiösen Minderheit soweit gefestigt, daß die beiden grundlegenden Dokumente verabschiedet werden konnten, die für lange Zeit bestimmend blieben: die Kirchenordnung (discipline ecclésiastique) und das Glaubensbekenntnis, die Confessio Gallicana (confession de foi). Diese Prinzipien galten für die Calvinisten auch im Refuge weiter; sie wurden großteils in die Aufnahmeprivilegien der deutschen Landesherren übernommen. Die Kirchenverfassung war bekanntlich gekennzeichnet durch weitgehende Selbstverwaltung der Gemeinden und durch starke Beteiligung der Laien. Diese Elemente blieben auch für die Strukturen der späteren Flüchtlingsgemeinden in Deutschland von Bedeutung.

Anfang der vierziger Jahre des 16. Jahrhunderts drang der Calvinismus von Frankreich und Genf her in die Niederlande ein und gewann rasch Anhänger. Die Verfolgungen des Protestantismus in diesen Gebieten und der niederländische Freiheitskampf hatten Fluchtbewegungen nach England und Deutschland (Niederrhein) zur Folge. Betroffen waren neben - relativ wenigen - Lutheranern (vor allem aus Antwerpen) zwei nach Sprache unterschiedliche Gruppen von Reformierten, französisch sprechende Wallonen (aus dem Artois, Hennegau, Lüttich) und flämisch sprechende, meist als Niederländer Bezeichnete (aus Flandern und Nordbrabant). Für die Rhein-Main-Region war die Zuwanderung dieser Wallonen und Flamen um die Mitte des Jahrhunderts vor allem nach Frankfurt am Main von Bedeutung, welche nach Regierungsantritt Marias der Katholischen aus England geflohen waren.

Unter den niederländischen Flüchtlingen befanden sich viele wohlhabende Kaufleute, Gewerbetreibende und Handwerker, die moderne Gewerbe und Erzeugungen aus den wirtschaftlich fortgeschrittenen Niederlanden in ihre neue Heimat brachten und damit auch deren Wirtschaftskraft verstärkten, wie sich das besonders auch für die Reichsstadt Frankfurt bemerkbar machte. So waren es neben Aspekten religiöser Unterstützung vor allem wirtschaftliche Hintergründe, die für die Aufnahme von Fremden und die Erlaubnis zur Gründung von Fremdengemeinden beitrugen.

Die Protestanten in Frankreich organisierten sich nicht nur als Kirche, sondern parallel dazu auch als politische Gruppe (Partei). Vor allem seit etwa 1560 kam es zu Konflikten zwischen den Hugenotten und der französischen Staatsreligion des Katholizismus, bzw den sie tragenden Schichten. 8 Bürgerkriege zwischen 1562 und 1598, die sog. Hugenottenkriege, überzogen das Land Auf Verbindungen zwischen den französischen Hugenotten und den Protestanten, die unter der Führung Wilhelms von Oranien im niederländischen Freiheitskampf fochten, ist hier ebenfalls hinzuweisen. 1598 erließ König Heinrich IV. das Friedensedikt von Nantes, das den Protestanten Gewissensfreiheit und die öffentliche Glaubensausübung an bestimmten Orten gewährte. Doch auch im 17. Jh. blieb der Konflikt bestehen; unter der Regierung Ludwigs XIV., der die katholische Glaubenseinheit in Frankreich wiederherstellen wollte („un roi, une loi, une foi“) setzten die Hugenottenverfolgungen verstärkt wieder ein und gipfelten schließlich im Widerruf des Toleranzedikts von Nantes im Oktober 1685: Reformierte Gottesdienste wurden verboten, Pfarrer, die nicht konvertierten, wurden außer Landes verwiesen, für die Glaubensangehörigen dagegen wurde ein Auswanderungsverbot erlassen, die noch existierenden Kirchen (temples) zerstört. Dieses Edikt bildete den unmittelbaren Anstoß zur einer großen Auswanderung französischer Protestanten aus Frankreich und den unter französischen Einfluß gelangten Gebieten, eine Migration, die sich über nahezu das gesamte protestantische Europa und bis nach Amerika und Südafrika erstreckte.

Zahlreiche protestantische deutsche Landesherren erklärten sich zur Aufnahme der Réfugiés, der verfolgten Glaubensgenossen, bereit, besonders natürlich solche, die der reformierten Religion angehörten. Außerdem fanden die Réfugiés Hilfe und Aufnahme in den bereits seit dem 16. Jh. existierenden reformierten Gemeinden, in unserem Gebiet vor allem den niederländischen und wallonischen, zum Beispiel in Hanau und Frankfurt am Main.

Die Geschichte der Aufnahme der Hugenotten ist aber auch im größeren Zusammenhang einer Kolonisationspolitik der jeweiligen Landesherren zu sehen. Die infolge des 30jährigen Kriegs dezimierte Bevölkerung sollte vergrößert werden, die wirtschaftliche Kraft gestärkt, neue Gewerbe und Manufakturen angesiedelt werden. Gerade Leute, die auch von ihrem Beruf und ihren Kenntnissen her interessant waren, neue Arbeitskräfte, neue Fertigkeiten in Industrie und Gewerbe, das war gefragt. Dabei soll nicht behauptet werden, religiöse Beweggründe hätten für die Landesherren eine untergeordnete Rolle gespielt. Für die Hugenottenaufnahme im 17. Jh. wie schon für die Aufnahme niederländischer Exulanten im 16. Jh. waren beide Gesichtspunkte von Bedeutung: Solidarität mit verfolgten Glaubensgenossen, wirtschaftliche Gründe; zusätzlich spielten machtpolitische Motive mit.

Skizze der reformierten Kirchenverfassung wie sie im wesentlichen bereits auf der Pariser Synode von 1559 in der Discipline ecclésiastique festgelegt worden war:

Gleichberechtigung innerhalb der Gemeinde. Das Consistoire (Presbyterium) aus den Anciens (Ältesten), den Diacres (für karitative Aufgaben) und dem Pasteur (ministre), aus der Mitte der Gemeinde, der Hausväter, gewählt. Aus den Consistoires wird in die Synoden delegiert, auf lokaler Ebene (Colloque), auf regionaler (Synode provincial), dann nationaler Ebene (synode national). Dazu ist allerdings zu sagen, daß im Refuge, in den deutschen Aufnahmeländern die Landesherren eher restriktiv verfuhren, was Synoden betrifft. Eine starke Kirchenorganisation hätte in die Rechte der Landeskirche eingegriffen.

Reformierte Flüchtlingsgemeinden in Hessen

Siedlungen von Exulanten und Réfugiés in der Rhein-Main-Region:

Frankfurt am Main
In Frankfurt am Main ließen sich bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts etliche protestantische, vor allem reformierte Familien nieder, die aus den Niederlanden geflohen waren. 1554 wurde unter der Leitung von Valérand Poullain (Valerandus Pollanus) eine wallonische Gemeinde gegründet, 1555 folgte eine flämische (deutsch-reformierte) unter Johannes a Lasco (Lasko, Lasky). Im nächsten Jahr werden die beiden heute noch bestehenden Frankfurter Gemeinden, die Französische-reformierte und die deutsch-reformierte gemeinsam ihre Jubiläen begehen.

Johannes a Lasco.
Begründer der ersten flämischen Flüchtlingsgemeinde in Frankfurt am Main 1555
Beiden gestattete der Frankfurter Rat - dem Zuzug Gewerbetreibender und Handelsleute aufgeschlossen - zunächst die öffentliche Religionsausübung in der Weißfrauenkirche.

Bald aber kam es zu Streitigkeiten, zum einen mit der streng lutherischen Geistlichkeit, die der Ausbreitung der calvinistischen Lehre wehren wollte, zum anderen mit den eingesessenen Handwerkern und Kaufleuten, die starke wirtschaftliche Konkurrenz fürchteten und die Fremden in ihr Zunftsystem eingegliedert sehen wollten. Nach etlichen Auseinandersetzungen setzten sich schließlich die orthodoxen Prediger durch und 1561 verbot der Frankfurter Rat den Fremden den öffentlichen Gottesdienst nach ihrem Modus. Als sich die Bemühungen um Rücknahme des Verbots als vergeblich erwiesen, ging ein Teil der Familien unter der Führung ihres Predigers Petrus Dathenus in die Kurpfalz, wo Frankenthal und andere Siedlungen in der Umgebung entstanden. Trotz des Abzugs in die Pfalz wuchs die niederländische Gemeinde in Frankfurt in den folgenden Jahren durch Zuzug - vor allem nach dem Fall Antwerpens im August 1585 - wieder an; zwischen 1585 und 1595 hielten sich nach neueren Berechnungen ca. 4.000 Exulanten in Frankfurt auf. Als aber unter dem Einfluß des lutherischen Predigerkollegiums und der Handwerkerschaft weitere Verschärfungen beschlossen wurden, ging eine Teil der reformierten Familien nach Hanau. Dazu sogleich

Die in Frankfurt Verbleibenden konnten vor dem Bockenheimer Tor auf hanauischem Gebiet, eine hölzerne Kirche errichten, die allerdings 1608 abbrannte.

Die Reformierten waren wirtschaftlich sehr erfolgreich, sie hatten große Handelshäuser, Banken und betrieben Gewerbe und Manufakturen (diese allerdings nicht in Frankfurt selbst, sondern außerhalb, etwa in Höchst). In der orthodox lutherisch beherrschten Stadt Frankfurt hatten sie aber - ebenso wie die Katholiken und die Juden - keine politischen Rechte und waren auch in der Religionsausübung weiterhin lange Zeit sehr eingeschränkt. Sie mußten - wie erwähnt - zum Gottesdienst außerhalb der Mauern Frankfurts, ins hanauische Bockenheim gehen. 1768 wurde das dortige baufällig geworden Kirchlein durch einen Steinbau ersetzt
Erst durch das sog. Willfahrungsdekret von 1787 wurde den Reformierten erlaubt, in Frankfurt eigene Bethäuser zu errichten, allerdings ohne Turm und Glocke. Aber Taufen und Trauungen durften weiterhin nicht vorgenommen werden. Die wirkliche Gleichberechtigung erhielten erst 1806 und zwar durch einen Katholiken: den Fürstprimas Carl von Dalberg, der in der Rheinbundzeit dem Großherzogtum Frankfurt eine moderne Staatlichkeit brachte. 1820 errichteten die beiden reformierten Gemeinden ein evangelisch-reformiertes Konsistorium.

Die französisch-reformierte Kirche am Goetheplatz wurde im Krieg zerstört. Heute befindet sich die Gemeinde in der Eschersheimer Landstraße 393.

In der Zeit nach dem Widerruf des Edikts von Nantes 1685, als viele Réfugiés nach Deutschland kamen, war Frankfurt die „Drehscheibe des Refuge“: hier erhielten die Flüchtlinge Unterstützung, hier trafen sie auch die Vertreter der aufnahmebereiten Landesherren und wurden über deren Privilegienzusagen informiert, zum Teil gleich angeworben und weitergeleitet.

Eine wichtige Quelle sind die sogenannten Distributionslisten, Verzeichnisse der durchreisenden Flüchtlinge und der Geldbeträge, die sie erhielten, sie sind heute für die Hugenottenforschung speziell, aber auch für die genealogische Forschung im allgemeinen sehr interessant. Denn hier wird auch das Woher und Wohin der Flüchtlinge vermerkt, evtl. Beruf und Familie. Zwischen 1685 und 1705 wurden über 97.000 Flüchtlinge unterstützt.

Hanau
Die Gründer der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde waren in der Mehrzahl - wie erwähnt - Reformierte, die wegen der Auseinandersetzungen mit Rat und Predigerministerium Frankfurt verließen und sich um anderen Aufenthalt bemühten. Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg schloß nach längeren Verhandlungen am 1.6.1597 mit den Emigranten einen Vertrag, die sog. „Hanauer Capitulation“, die (zus. mit dem sog. Transfix von 1601) als Gründungsdokument der Hanauer Neustadt betrachtet wird. In dieser Kapitulation wird ihnen die freie Religionsausübung zugesagt.

Das Protokollbuch der Hanauer Gemeinde beginnt bereits 1594, da sich schon vor der großen Ansiedlung einige reformierte Familien in Hanau niedergelassen hatten und dort französisch-sprachigen Gottesdienst abhalten durften.

1608 fand der erste Gottesdienst in der Doppelkirche statt, deren großer Innenraum der Wallonischen und deren kleinerer der Niederländischen Gemeinde diente. Die Kirche wurde 1945 völlig zerstört; 1960 wurde der wiederaufgebaute niederländische Teil der ehemaligen Doppelkirche eingeweiht.

17. Jh.: Hugenotten- und Waldensersiedlungen

Das wichtigste Aufnahmeland für Hugenotten, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes nach Deutschland kamen, war Brandenburg-Preußen. Ein großer Teil wurde aber auch vom Landgrafen von Hessen-Kassel aufgenommen, der wie der Große Kurfürst dem reformierten Bekenntnis angehörte. Von den ca. 7700 Réfugiés, die zwischen 1678 und 1730 nach Hessen kamen, ließ sich etwa die Hälfte (ca 4.000) in Hessen-Kassel nieder; aber es kamen auch ebenso viele nach Südhessen, d.h. vor allem in das Rhein-Main-Gebiet: in die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und in die kleineren Fürstentümer wie Hessen-Homburg, Nassau-Usingen, die Isenburgischen Grafschaften; auch nach Hanau und Frankfurt am Main kamen neue Flüchtlinge.
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Hessen-Kassel 4.000
Übriges Hessen: 3.700 (2.400)
[Hessen-Darmstadt, 400
Hessen-Homburg, 400
Isenburgische Grafschaften, 520
Solms, 220
Nassau, ?
Hanau] 800
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Die Isenburgischen Grafschaften

Zwei Linien des Hauses Isenburg waren an dieser Aufnahme beteiligt: Johann Philipp Graf zu Isenburg und Büdingen, aus der Linie Offenbach-Birstein, erteilte den Réfugiés Privilegien für die Ansiedlung in Offenbach und für die Neugründung von Neu-Isenburg. Ferdinand Maximilian Graf zu Isenburg und Wächtersbach nahm Waldenser auf und gründete Waldensberg.

Johann Philipp Graf zu Isenburg und Büdingen (1655-1718),
(1655-1718), Urenkel des Grafen Wolfgang Ernst I., der ab 1596 das reformierte Bekenntnis in seinem Land eingeführt hatte. Johann Philipp residierte seit 1687 in Offenbach. Er hatte seine Ausbildung u.a. an der reformierten Universität der kurpfälzischen Residenz Heidelberg erhalten; auch seine Heirat 1678 mit Charlotte Amalie aus der pfalzgräflichen Nebenlinie Zweibrücken vollzog sich innerhalb maßgeblicher reformierter Kreise.

An den Grafen wandte sich 1698 eine Gruppe französischer Flüchtlinge, die sich vorübergehend in der Schweiz aufgehalten hatte und die durch eine gewissen Capitaine David de Calmelz (Colmelz, Calmetz, Wolf: Sieur de Calme aus dem Languedoc) angeführt wurden. Er hatte zuvor schon Verhandlungen in Hessen-Darmstadt bezügl. einer Ansiedlung in der Gegend von Kelsterbach und Rüsselsheim geführt. Aus unbekannten Gründen scheiterte diese und Calmelz zog weiter nach Offenbach und verhandelte mit Johann Philipp. Dieser wollte in dem damals ländlich strukturierten Offenbach (wo bereits seit dem 16. Jahrhundert eine reformierte Gemeinde bestand) Gewerbetreibende ansiedeln; am 10.7.1698 wurde eine sog. Kapitulation in 14 Artikeln vereinbart, die die Bedingungen formulierte.

Ansätze zu einer Aufnahme hatte es bereits in den neunziger Jahren gegeben; das auslösende Moment für eine größere Flüchtlingsansiedlung war aber der Friede von Rijswijk 1697, der den Réfugiés die Hoffnung auf eine Rückkehr endgültig nahm und außerdem die Vertreibung der französischen Waldenser aus Savoyen zur Folge hatte.

Der von Calmelz angeführte Flüchtlingsstrom umfaßte neben den von Johann Philipp vor allem erwarteten hugenottischen Gewerbetreibenden und Fabrikanten zahlreiche bäuerliche Waldenser, deren Unterbringung ab 1698 zentral durch den Gesandten der Generalstaten Pieter Valkenier organisiert wurde. Für die Flüchtlinge, die sich hier niederließen, ergaben sich Spannungen aus der Tatsache, daß die englischen und holländischen Hilfsgelder, deren Verteilung Valkenier organisierte, vorwiegend den Waldensern zugute kommen sollten. Der Ablauf dieser Streitigkeiten, der endgültigen Spendenverteilung sowie der Abwanderung eines Teils der Flüchtlinge sind m.E. noch nicht genügend aufgeklärt. Die Umstände der Offenbacher und Neu-Isenburger Gründung sind im wesentlichen aus dem Blickwinklel des Offenbacher Pfarrers Lehn und des Neu-Isenburger Pfarrers Friedrich Illert dargestellt, die die Festschriften anläßlich des 200. Jahrestags der Gemeinden 1899 publizierten und die beide die Rolle Valkeniers eher negativ zeichnen. Ein Brief Valkeniers an die Generalstaaten vom 19.11.1699 zeigt jedoch, daß Valkenier sich durchaus auch um die französischen Réfugiés bemühte.

Petrus Valkenier war eine Art Flüchtlingskommissar vor allem für die Waldenseransiedlung in Deutschland. Er handelte zahlreiche Privilegien-Verträge für Waldensergemeinden mit den Vertretern der Landesherren aus.

Es zeigt sich, daß auch damals die Solidarität unter den verschiedenen Flüchtlingsgruppen nicht selbstverständlich war. Ein Teil vor allem der Hugenotten wandte sich an Johann Philipp um Hilfe. Den Réfugiés, die Offenbach verlassen wollten, wies dieser eigenes Gelände zur Anlegung einer neuen Kolonie zwischen Frankfurt und Sprendlingen zu, daraus entstand das heutige Neu-Isenburg (1699). Bereits am 1.7.1699 wurde mit der Vermessung begonnen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen aber weitere Réfugiés, vor allem Gewerbetreibende nach Offenbach, die den Grund für die industrielle Entwicklung (u.a. Ledererzeugung und -verarbeitung) legten. Das Privileg für Offenbach datiert von 1705.

Am Türbogen der Französisch-reformierten Kirche in Offenbach befindet sich das Wappen Johann Philipps von Isenburg und Büdingen und seiner zweiten Gemahlin Charlotte zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.
Diese Kirche ist eine der wenigen, die sich heute noch „französisch-.reformiert“ bezeichnen (ebenso Frankfurt am Main, Berlin, Potsdam).

Übrigens zeichnete sich die Offenbacher Gemeinde besonders durch ihre Haltung in der NS-Zeit aus, sie hielt sich zur „Bekennenden Kirche“. Daher schlug sie auch die Einladung zur 250-Jahrfeier der Friedrichsdorfer Hugenottenkolonie aus, weil dort ein Angehöriger der „Deutschen Christen“ (Prpobst Trommershausen) die Festpredigt halten sollte.

Neu-Isenburg

Bereits Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg-Büdingen, der dem reformierten Bekenntnis angehörte, hatte mit seinem Regierungsantritt 1596 in Offenbach diese Konfession einführen lassen und hatte auch schon Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden und Frankreich aufgenommen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zogen allerdings etliche dieser Exulanten nach Hanau, wo sich inzwischen die wallonisch-niederländische Gemeinde konstituiert und ab 1608 eine eigene Kirche errichtet hatte. Nach seinem Tod wurde die Grafschaft in die Offenbach-Birsteiner und die Büdinger Linie geteilt, doch die gesamte Grafschaft blieb reformiert.

Johann Philipp Graf zu Isenburg und Büdingen (1655-1718), Urenkel des Grafen Wolfgang Ernst I., erhielt seine Ausbildung u.a. an der reformierten Universität Heidelberg; auch seine Heirat mit Charlotte Amalie aus der pfalzgräflichen Nebenlinie Zweibrücken verband ihn mit reformierten Kreisen. Er residierte seit 1687 in Offenbach und gewährte 1698/99 hugenottischen und waldensischen Flüchtlingen Aufnahme. Er wollte in dem damals ländlich strukturierten Offenbach (wo bereits seit dem 16. Jahrhundert eine reformierte Gemeinde bestand) Gewerbetreibende und Manufakturiers ansiedeln. An ihn wandte sich 1698 eine Gruppe französischer Flüchtlinge, die sich vorübergehend in der Schweiz aufgehalten hatte. Sie wurden angeführt durch David de Calmelz, der zuvor schon Verhandlungen in Hessen-Darmstadt bezüglich einer Ansiedlung in der Gegend von Rüsselsheim und Kelsterbach geführt hatte und wofür er bereits am 24. Januar 1698 mit dem Landgrafen Ernst Ludwig eine Kapitulation über bestimmte Freiheiten abgeschlossen hatte. Aus unbekannten Gründen scheiterte dies und er zog weiter nach Offenbach.

Johann Philipp verhandelte mit diesem Capitaine de Calmelz über die Aufnahme der Réfugiés. Am 10. Juli 1698 wurde eine Kapitulation (in 14 Artikeln) vereinbart, die die Bedingungen für diese Ansiedlung formulierte. Der Hauptflüchtlingsstrom traf erst 1699 ein und er umfaßte neben den von Johann Philipp vor allem erwarteten hugenottischen Gewerbetreibenden und Fabrikanten zahlreiche bäuerliche Waldenser, deren Unterbringung durch den Gesandten der Generalstaten Pieter Valkenier organisiert wurde. Es enstanden schließlich die französisch-reformierte Gemeinde in Offenbach und eine neue Siedlung, Philippsdorf oder Welsch-Neudorf, später Neu-Isenburg genannt.

Die Anlage von Neu-Isenburg ist ganz geometrisch planmäßig, die Bauplätze waren gleich groß und ähnlich ausgerichtet; auch heute kann man in der Straßenführung des historischen Stadtkerns dieses Muster erkennen. In der ersten Zeit wurde die Siedlung Philippsdorf genannt, oder auch Eglise françoise d'Offenbach établie à Philippsdorf.

Waldensberg

Bereits 1688 hatten die Pfarrer Jacques Papon Vater und Sohn mit der damaligen Regentin, Marie Charlotte von Ysenburg-Büdingen in Wächtersbach wegen Aufnahme verhandelt, wobei sie bereits auf zu erwartende finanzielle Unterstützungen durch die Niederlande verwiesen. Die Gräfin stand der Sache wohlwollend gegenüber und ließ durch ihre Räte mögliche Ansiedlungsorte erkunden (so etwa in einer neuen Vorstadt von Büdingen); doch erwiesen sich die Schwierigkeiten als zu groß und die Waldenser wandten sich an Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Im Zuge der späteren Einwanderung der Jahre ab 1698 gelangten aber andere Waldenserflüchtlinge nach Wächtersbach. Graf Ferdinand Maximilian I. von Isenburg-Wächtersbach (1662-1703), der auf seiner Kavalierstour u.a. die hugenottisch geprägte Akademie in Angers besucht, sondern sich auch in den Niederlanden aufgehalten hatte, stand - wie sein Offenbacher Verwandter, Graf Johann Philipp, der reformierten Sache wohlwollend gegenüber. Er erteilte am 11./21. August 1699 ein Privileg für die Anlage der Siedlung Waldensberg, das wie das hessen-darmstädtische unter Vermittlung des Generalbevollmächtigten der Niederlande Pieter Valkenier ausgehandelt worden war.

So konnten sich die Waldenser aus Mentoulles und Fenestrelles, die lange Zeit auf der Suche nach einer neuen Heimat durch Deutschland geirrt waren, in der Nähe von Wächtersbach niederlassen. Die Kirche, mit dem Waldenser-Motto „Lux lucet in tenebris“ ist Mittelpunkt der kleinen Siedlung.

Auf dem Friedhof zeugen noch alte Grabsteine mit französischen Inschriften von dieser Tradition, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lebendig war.

Hessen-Homburg

In der früheren Landgrafschaft Hessen-Homburg gab es drei Ansiedlungen französischer Glaubensflüchtlinge, welche alle ihre Gründung Landgraf Friedrich II. verdanken:
Friedrich II. von Hessen-Homburg (geb. 1633, reg. 1681 -1708) war im Zusammenhang mit seiner Heirat mit Louise von Kurland, einer Nichte des Großen Kurfürsten zum reformierten Glauben übergetreten und verfolgte im Kleinen eine ähnliche Politik des Merkantilismus und der Kolonialisierung wie Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Friedrich II. von Hessen-Homburg empfängt die Hugenotten, Relief auf dem Landgrafendenkmal im Kurpark (gestiftet von Wilhelm II), enthüllt 1906, Fritz Gerth. Inschrift: „Lieber will ich mein Silbergerät verkaufen als diesen armen Leuten die Aufnahme versagen“. Sowohl dem Großen Kurfürsten als auch Friedrich in den Mund gelegt.

Die Homburger Neustadt (Louisenstadt, ab 1685) wurde z.T. von Hugenotten angelegt, die hier auch eine französisch-reformierte Gemeinde bildeten.

Heute erinnert daran vor allem die Jakobskirche (eingeweiht 1723, benannt nach Friedrich III. Jakob), die allerdings seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Turnhalle dient.

Friedrichsdorf

Friedrichsdorf, angelegt aufgrund von Privilegien von 1687, ist eine der Hugenottensiedlungen, die am längsten in Deutschland ihre Eigenständigkeit in Sprache, Glaube und Sitte bewahrte. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Französisch die Amts- und Schulsprache.

Die erste Kirche stammte wahrscheinl. von 1717. 1771 erhielt Friedrichsdorf Stadtrecht, 1821 Stadtwappen; die Siedlung entwickelte sich gut; die alte Kirche war nicht mehr groß genug, ein Neubau, zuerst geplant von Georg Moller, dann ausgeführt nach Plänen von Rudolf Burnitz, wurde 1837 eingeweiht.

Noch bis ins späte 19. Jahrhundert war Französisch Amtssprache und wurde in der Schule gelhrt. Diese lange Traditionsbewahrung war auch ein Grund dafür, daß hier 1890 der DHV gegründet wurde und daß der Verein sein Jubiläum im April 1990 in Friedrichsdorf feierte. Heute Deutsche Hugenotten-Gesellschaft genannt, hat sie ihre Geschäftsstelle in Bad Karlshafen, dort auch das Hugenotten-Museum (1989 eingeweiht), Forschungszentrum, Mikrofilme von Kirchenbüchern; Mittel für genealogische Forschungen

Dornholzhausen

Die Waldensersiedlung Dornholzhausen wurde 1699 durch Flüchtlinge aus dem Pragela-Tal gegründet, die unter Führung ihres Pfarrers Papon nach Hessen gekommen waren. Wirtschaftlich konnte die Siedlung nicht eine solche Blüte erreichen wie das benachbarte Friedrichsdorf; häufig war die Gemeinde für Pfarrerbesoldung und Kirchenunterhalt auf Spenden aus dem protestantischen Ausland (England, Niederlande) angewiesen. Lange Zeit hatte sie nicht einmal einen eigenen Pfarrer, mußte ihn mit der Homburger oder Friedrichsdorfer Gemeinde teilen. Heute weist noch die Anlage des langgestreckten Straßendorfs mit der kleinen Waldenserkirche, auf deren Kanzel die Worte zu lesen sind „Je trouve ici mon asyle“, auf diese Ursprünge hin. Die Kirche wurde 1724 an Stelle der ersten 1701 gebauten Kirche errichtet.

Nassau-Usingen

Wir kommen nun in ein Territorium, von dem es vielleicht nicht so bekannt ist, daß hier Hugenotten aufgenommen wurden. Es ist das frühere Fürstentum Nassau-Usingen

Fürst Walrad, hatte sich als General des Protestantenführers Wilhelms von Oranien, des späteren englischen Königs Wilhelms III. ausgezeichnet, er übernahm 1659 die Regierung in dem kleinen Fürstentum Nassau-Usingen, baute Usingen zur Residenz aus und nahm Hugenotten auf: Es gab hier zwei Réfugiés-Niederlassungen, allerdings beide nicht von längerem Bestand. 1699 wurde eine Flüchtlingsgruppe unter der Führung des Pfarrers Jean Romieu angesiedelt; die Handwerker und Gewerbetreibenden erhielten Plätze in der Usinger Neustadt, für die ländlichen Siedler bestimmte Walrad in der Umgebung Land zur Neugründung eines Dorfes, hier entstand Hasselborn. Eigenständige französisch-reformierte Gemeinden existierten aber nicht lange. Schon 1715 wurden Alt- und Neustadt Usingen vereinigt.

In Usingen zeugen heute noch die Hugenottenkirche (seit 1823 Schule, später Kindergarten, neuestens renoviert und als Bücherei und Kulturzentrum genutzt), am Neuen Marktplatz und einige Häuser sowie einige französische Namen von dieser Besiedlung durch Hugenotten.

Hessen-Darmstadt

Auch in Hessen-Darmstadt gab es Kolonien französisch-reformierter Flüchtlinge, obwohl sowohl Landesherr als auch Einwohnerschaft lutherisch waren. Die Siedlungen in Kelsterbach und Nidda waren nicht von Dauer bzw. begründeten keine eigenen Gemeinden. Von Waldensern angelegt wurden Walldorf-(Mörfelden) und die Kolonie Rohrbach-Wembach-Hahn (südlich von Darmstadt). Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt gewährte den Glaubensflüchtlingen bereits 1688 großzügige Privilegien. Zu einer endgültigen Niederlassung kam es aber erst 1699, als die Waldenser, die im Zuge der „Glorieuse rentrée“ (der glorreichen Heimkehr) 1689 in ihre Heimattäler zurückgekehrt waren, nochmals auswandern mußten und sich um die Ansiedlung in deutschen Territorien bemühten. Daniel Bonin, selbst aus Rohrbach stammend, hat um 1900 diese „Waldensergemeinde Pragela auf ihrer Wanderung ins Hessenland“ in mehreren Veröffentlichungen beschrieben und ihre Wege in eine neue Heimat nachgezeichnet.

Der Waldenserstein in Rohrbach trägt die Inschrift: „Den Vätern im treuen Gedenken - den Kindern zu steter Erinnerung“; gestiftet 1899 auf Initiative Daniel Bonins

Walldorf

Waldenser aus dem Chisone-Tal (Piemont), legten neues Dorf zwischen Mörfelden und dem Gundhof an.; Ortsname 1715 erstmals erwähnt. Kirchengeminde 1699 erwähnt „Eglise vaudoise du Roure et du Méan“

Die Kirche in Walldorf; 1805 erbaut als Nachfolger einer kleinen Holzkirche von 1704, steht heute noch in der Langstraße; sie wurde 1941 stark beschädigt; 1949 neu geweiht (Evangelische Alte Kirche).

Ein altes Waldenserhaus in der Nähe der Kirche ist zum Museum ausgebaut und mit einem Kulturzenrum verbunden worden. Der alte „Waldenserhof“ (Gasthof seit 1840) ist renoviert und 1993 wiedereröffnet worden. Ein Verein „Waldenserforschung Walldorf“ ist sehr rührig um die lebendige Erinnerung an die historischen Wurzeln bemüht.

Sicherlich kennen Sie einige dieser Orte, ihre Kirchen oder Denkmäler bereits, aber vielleicht regt Sie dieser kleine Überblick dazu an, einmal einen Streifzug auf den Spuren der protestantischen Exulanten und Réfugiés im Rhein-Main-Gebiet zu unternehmen.

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